GORE-TEX Experience Tour: Daniel verwirklichte mit Robert Jasper seinen Alpin-Traum

Gipfelfreuden am Breithorn | ©Ralf Gantzhorn

Im Rahmen der GORE-TEX Experience Tour bewarben sich zahlreiche Teilnehmer aus ganz Europa, um ihren individuellen Bergsteigertraum zusammen mit dem Extrembergsteiger Robert Jasper zu realisieren. Gewonnen hat Daniel Bouskila, der nun Anfang Mai zusammen mit Robert Jasper seinen Alpin-Traum verwirklicht hat.

Lesen Sie hier den Bericht von Robert Jasper, in dem er seine Erfahrungen während der Tour schildert:

“Daniels Traumberg ist das Matterhorn. Dieser 4478 m hohe Gipfel über Zermatt, Inbegriff der Alpen und Sehnsuchtsziel von Alpinisten aus aller Welt. Zusammen mit mir will Daniel mitten im Winter über den Hörnligrat auf den Gipfel steigen. Ein spannendes Abenteuer, da zu dieser Jahreszeit der Berg völlig menschenleer, im Winterschlaf liegt und Daniel bis dato praktisch kaum Erfahrung in alpinem Bergsteigen besitzt. Ein erster Anlauf scheiterte im März. Aufgrund der hohen Lawinengefahr und der ungünstigen Verhältnisse am Berg mussten wir den Versuch verschieben.

Jetzt ist es Mai, allein vom Datum her betrachtet, nicht mehr Winter, aber es herrscht immer noch Ruhe rund um Zermatt und Schnee liegt mehr als genug. Selbst der im Sommer einfache Hüttenzustieg auf die unbewirtschaftete Hörnlihütte gestaltet sich als kleines Abenteuer: Der Pfad ist tief verschneit und mit Steigeisen und Eispickel gewinnen wir nur langsam an Höhe. Schließlich erreichen wir die Hütte mit allem was wir die nächsten Tage so brauchen werden: Lebensmittel für drei Tage, Schlafsäcke, Kocher, Gas, etc. Unter diesen Umständen wird selbst ein sonst so populärer Berg wie das Matterhorn zum Expeditionsziel. Im unbeheizten (und ungewöhnlich für Schweizer Hütten auch nicht beheizbaren) Winterraum richten sich der GORE-TEX Experience Tour Gewinner Daniel aus London, der Bergfotograf Ralf Gantzhorn sowie Bergführer Florian König soweit es geht gemütlich ein. Doch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, auch in der Hütte, fühlen wir uns eher wie in einer Eishöhle. Schon früh verkriechen wir uns in die Schlafsäcke.

06. Mai 2011: 4 Uhr Morgens. Der Wecker reißt uns aus dem Schlaf. Rein in die GORE-TEX Bekleidung und in die kalten GORE-TEX Schuhe. Schneeschmelzen, frühstücken und los geht’s. Mit Pickel, Steigeisen und Seil klettern wir in zwei Seilschaften den Hörnligrat hinauf. Allerdings fühlt sich Daniel nicht besonders gut! Er war die Tage vorher erkältet und die jetzt erreichte Höhe von über 3000 Meter kombiniert mit der für ihn ungewohnten Kletterei mit Steigeisen auf brüchigen und verschneiten Fels machen ihm schwer zu schaffen. Nur mühsam gewinnen wir an Höhe. Alles ist viel schwieriger als Daniel es sich vorgestellt hat. Im Winter aufs Matterhorn ist eben wahrlich kein Zuckerschlecken!

Nach dem ersten Drittel der Kletterei merken wir: Es geht heute nicht. Zuviel Schnee liegt in der Route, zuviel Kraft hat Daniel der Anstieg bis hierher bereits gekostet, als das wir ohne Bedenken um die Sicherheit der gesamten Seilschaft weiter steigen könnten. Denn selbst wenn wir den Gipfel noch bei Tageslicht erreichen, der höchste Punkt ist nicht Mal die halbe Miete. Im Anschluss gilt es, müde und kaputt, den gleichen Weg wieder abzuklettern. Wir entscheiden uns umzudrehen und steigen gleich bis Zermatt ab. Dennoch war das Matterhorn für Daniel ein riesiges Abenteuer und er ist um eine große Erfahrung reicher. Daniel nahm die Entscheidung des Umkehrens mit Britischem Sportsgeist: Zum “ Fair Play“ gehört eben auch ein Rückzug im richtigen Moment.

Um auch noch einen „echten“ Gipfel über der magischen Grenze von 4.000 m zu erreichen nehmen wir uns für den nächsten Tag die Überschreitung des Breithorns vor. Von der Bahnstation des  Kleinen Matterhorns traversieren wir in Richtung Mittelgipfel und entscheiden uns spontan für die Breithorn–Südrippe als Aufstiegslinie. Diese Tour bietet auf einer Länge von ca. 300 m  und 45°-50° steilen Firn Daniels erste „Eiswand“! Und ich merke, das ist eine Entschädigung für die Mühen und Strapazen der vergangenen zwei Tage. Daniel klettert an seiner Leistungsfähigkeit und gut gesichert kommt er so doch noch zu seinem alpinen Abenteuer.

Bei perfektem Wetter erreichen wir den Mittelgipfel und queren dann noch über den messerscharfen Verbindungsgrat zum Westgipfel des Breithorns. Der Rundblick reicht über die höchsten Gipfel der Schweiz bis hin zum Mont Blanc – ein würdiger Ausklang der GORE-TEX Experience Tour.

Wir sind uns alle einig, dass trotz des Scheiterns am Matterhorn jeder um eine große Bergerfahrung reicher ist. Bergsteigen ist eben ein nie enden wollender Lernprozess und für sein Traumziel Matterhorn hat Daniel soeben die ersten Schritte getan. „Ich komme zurück“, sagte Daniel. Der Berg wird garantiert noch länger dastehen!”