05. Mai, 2011 ,

Im Banne von Magellan: Robert Jasper & Team am Monte Sarmiento in Feuerland

Im Banne von Magellan und Darwin waren Extrembergsteiger Robert Jasper, Bergführer Jörn Heller und Bergfotograf Ralf Gantzhorn in den vergangenen Wochen. Anfang April 2010 ist dem Trio die Erstbesteigung der Nordwand des Monte Sarmiento, dem “weißem Bergriesen von Feuerland”, gelungen.

Nahezu am Ende der Welt, noch südlich der Magellanstraße, ragt der Monte Sarmiento auf, den bereits Charles Darwin als das “erhabenste Schauspiel Feuerlands” bezeichnet hat. Weit von der nächsten menschlichen Ansiedlung entfernt und nur mit dem Schiff zu erreichen, hüllt sich der Berg meist in dicke Wolken. Auch die berüchtigten “Roaring Fourties” haben mit ihren Stürmen und schlechtem Wetter schon so manchen Besteigungsversuch vereitelt.

Ausgangspunkt der Expedition von Robert Jasper war Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, am Beagle-Kanal. Von dort aus segelte das Team auf einer kleinen Yacht, der 16 m langen Tari II mit Skipper “Micki” Fischer und seiner Crew, zunächst an die 300 Seemeilen (500 km) dem entfernten Ziel entgegen. Erst nach elf Tagen war die Seefahrt durch die stürmischen Gewässer bei Kap Horn beendet und die Basis des Berges, die Bucht Caleta Escandallo, erreicht.

Nur mit viel Mühe ließ sich ein Weg durch den üppig wuchernden Regenwald und die bis ins Meer fließenden Gletscher finden. Die Niederschlagsmenge liegt hier bei 6000 mm, das ist zehn Mal so viel wie in Deutschland. Zum Hauptproblem wurde jedoch die fehlende Schönwetterphase für einen Gipfelversuch. Nach dem drei Anläufe in schlechtem Wetter scheiterten, drehte der Wind am 1. April auf Süd, eigentlich ein gutes Zeichen, weshalb Robert Jasper, Jörn Heller und Ralf Gantzhorn trotz weiterhin grauer Wolken den Aufstieg begannen. Doch auf halber Höhe mussten sie sich den schlechten Wetterverhältnissen beugen, sich bei Schneesturm und in einem gefürchteten “White Out” in eine Schneehöhle eingraben, den Eingang aber immer wieder freischaufeln. Als gegen 2 Uhr nachts der erste Stern durch die Wolken leuchtete, wurde sofort gekocht, Schnee geschmolzen und das Frühstück zubereitet. Dann nichts wie rein in die eiskalten GORE-TEX® Schuhe und los!

Noch im Dunkel der Nacht stiegen die drei im Kegel der Stirnlampen durch gewaltige Spaltenzonen bis in die bis dato unbezwungene Nordwand des Monte Sarmiento. Eisige Kälte und senkrechter, haltloser Anraumschnee machten ihnen zu schaffen, zudem war es sehr schwierig zwischen den haushohen Eisbrüchen in komplizierter Routenführung einen Durchschlupf zu finden. Doch gegen Mittag stand Robert Jasper mit seinen beiden Teamkollegen auf dem 2145 Meter hohen Westgipfel des Monte Sarmiento. Als Reminiszenz und Hommage an den bekannten Seefahrer und Entdecker wurde die im Alpinstil erstbegangene Route “La Odisea de Magellanes” (“Die Odyssee Magellans”) genannt. Allein im Aufstieg waren eine Strecke von ca. 20 Kilometern und 3000 Höhenmetern zu bewältigten. Auf- und Abstieg dauerten, vom Boot in der Caleta Escandallo aus gesehen, 39 Stunden.

Nach einer weiteren Woche auf See und der Durchquerung der berüchtigten Magellanstrasse, erreichten Robert Jasper, Jörn Heller und Ralf Gantzhorn wohlbehalten am 10. April den Hafen von Punta Arenas in Chile und waren damit wieder zurück in der Zivilisation. Und das wäre fast ohne Fotomaterial geschehen! Denn nach der erfolgreichen Erstbegehung wäre beinahe die gesamte Fotoausrüstung samt Chip die Beute eines Fuchses geworden.
Meister Reineke hatte sich nachts an das Basecamp herangeschlichen, die Fototasche geschnappt und damit dann auf in Richtung Regenwald gemacht. Nur weil die ganze Mannschaft hinter dem Dieb her rannte und lauthals schrie, ließ das zutrauliche Tier die Tasche noch kurz vor dem Verschwinden ins Dickicht fallen und die visuelle Ausbeute der Expedition war gerettet.